Der Titel könnte auch lauten "Auf Schusters Rappen" und fast durchlaufen ;-) Am Sonntag verschlug es uns ins Freiluftmuseum Molfsee. Wir hatten herrliches Wetter und auch noch Glück, dass zum einen Herbstmarkt auf dem Museums Gelände war und zum anderen die Meierei, die Bäckerei und die Schmiede aktiv betrieben worden sind.
Warum ich so auf die Schusters Rappen hinweise? Weil wir unheimlich viel gelaufen sind. Es war total schön und man merkt gar nicht wie die Zeit verging, aber am nächsten Tag bekam ich den Muskelkater meines Lebens in den Waden. Ich bin einfach nicht gewohnt fast 8 Stunden am Stück zu wandern und dann auch noch mit Hügeln und verschiedenen Untergründen. Ich bin Dithmarscher und als solcher vom platten Land verwöhnt ;-)
So nun aber zurück zum Ausflug. Wir nahmen direkt den Weg zum hintersten Teil des Geländes, da wir zu der Zeit noch mit einem ruhigen Bereich rechneten und dort auch die Meierei steht, welche diesmal unter Dampf stehen sollte. Als wir ankamen war der Dampfkessel gerade in Gang gebracht worden und es stiegen unter lustigen Geräuschen kleine Dampfwolken in den Himmel.
Gegenüber von der Molkerei standen diese beiden schönen Gebäude. Links ist eine Scheune aus Süderbrarup (erbaut um 1790 / Wiederaufbau 1979) und rechts ein Haus aus Süderbrarup (erbaut 1797 / Wiederaufbau 1978) zu sehen. Fachwerk und die bunte Eingangstür machen es zu einem richtigen Schmuckstück.
Was mich in den Häusern auch immer wieder faszinierte, war wenn man fast allein war und dann in einer Küche oder Wohnstube stand, die Kontraste aus hellichter Tag draußen und drinnen relativ dunkel, eine besondere Atmosphäre schufen. In so manchen Haus bekam man einen kleinen Schubs zurück in der Zeit und erwartete, das plötzlich geschäftiges Treiben um einen herum einsetzt.
 |
| Blick aus dem Haus aus Klappholz |
Verstärkt wurde der Eindruck auch um die Tiere die teilweise auf den Weiden um die Häuser herum standen.
Wir wanderten von Haus zu Haus und machten so manche Entdeckung. Manchmal hätten wir uns gerne mehr Beschreibungen gewünscht. Denn es ist zwar schön auf einen voll eingerichteten Raum zu schauen, aber ein Schautaffel mit Bezeichnungen der Alltagsgegenstände und Daten dazu, hätte uns auch sehr gefallen.
Besonders schön finde ich auch die Bauvariante des Dreiseithof aus Quars (erbaut 1806, aus Dänemark / Wiederaufbau 1982. So ein Dreiseithof besteht aus drei Flügeln, die wie ein C aussehen und so einen Innenhof zwischen den Flügeln bergen. Das finde ich persönlich eine sehr anheimelnde Lösung, vor allem wenn man einen schönen Baum in der Hofmitte sein Eigen nennt. Auf dem Foto ist der Hof von seinte Frontansicht (also Eingang) zu sehen, der Innenhof befindet sich dann auf der Rückseite.
 |
| Dreiseithof aus Quars |
 |
| Haus aus Klappholz (erbaut 1764 / Wiederaufbau 1988) |
Es gibt aber nicht nur Höfe dort zu bestaunen, sondern auch Wind-und Wassermühlen. Hier kommt nun der Galerieholländer aus Hollingstedt (erbaut 1865 / Wiederaufbau 1973). Das Ambiente in einer Windmühle ist auch immer etwas besonderes. Allein die Form des Innenraumes, der Lichteinfall, die großen Zahnräder die eineinander greifen.
 |
| Wndmühle aus Hollingstedt |
Ein besonderes Schmuckstück und eines meiner Lieblingsgebäude ist der Vierseithof aus dem Christian-Albrechts-Koog (erbaut 1970 / Wiederaufbau 1985). Dieser Hof ist so riesig und die Innenräume besonders schön ausgestattet. Vor allem die prächtige gute Stube mit den zahlreichen Fenster hatte mich schon bei meinem ersten Besuch bezaubert. Leider war diesmal der Hof abgeschlossen.
 |
| Vierseithof aus Christian- Albrechts-Koog |
Vom Vierseithof wanderten wir rüber zum Haubarg aus Witzwort. Diesen großen Hof habe ich leider nicht von draußen fotografiert. Erbaut wurde er 1743 und der Wiederaufbau fand 1971 statt.
Was uns hier besonders gefiel, die kleine Küche hatte den Ausblick vom Hügel runter auf den See:
 |
| Blick aus dem Küchenfenster vom Haubarg aus Witzwort |
Überhaupt war die Küche von der Größer her total schön geschnitte und man hätte sich das gut als Wohnhaus in der heutigen Zeit herrichten können, natürlich mit alten erhaltenen Elementen. Die Tür führte auch von der Küche direkt auf seinen sonnigen Platz, wo man eine Bank und Tisch sich vorstellen konnte. Was für ein schöner Ort für einen Tee mit Ausblick ;-) Man wird ja träumen dürfen.
 |
| Blick aus der Küchentür vom Haubarg aus Witzwort |
 |
| Der Ausblick den Hügel runter zum See |
 |
| Vom Haubarg rüber geschaut zum Haus aus Westerland |
Unser Weg führte uns wieder den Hügel hinab zum auffälligen Haus mit den Walfisch Knochen als Tor. Auch Lorens-Petersen-de-Hahn-Haus genannt wurde es 1699 gebaut, Wiederaufbau 1969. Hier ist mit viel Arbeit der Innenausbau rekonstruiert worden. In diesem Haus findet man aufwendige Paneele, Malerein und Fliesen.
Ich glaube diese gute Stube habe ich im Haus aus Klockries (erbaut 1634 / Wiederaufbau 1968) aufgenommen:
Etwas später und ein paar Häuser weiter, bekam ich dann einen spontanen Anflug von Krabat. Wir waren an der Wassermühle angekommen. Wassermühle aus Rarup (erbaut 1778 / Wiederaufbau 1067).
 |
| Wassermühle aus Rarup |
Ein wunderschönes Fachwerk mit reichen Verzierhungen weist das nahe gelegene Haus aus Bergenhusen (erbaut 1700 / Wiederaufbau 1973) auf.
 |
| Haus aus Bergenhusen |
Leider war diese malerische Brücke nicht mehr betretbar. Schade, ich meine mich noch erinnern zu können, dass ich mit meinen Schulkameraden in den 90-ern noch darüber wandern konnte.
 |
| Blick auf den Speicher aus Osterbelmhusen |
 |
| Scheune aus Klein-Havighorst (erbaut 1690 / Wiederaufbau 1963) |
Mitten während unserer Excursion fanden wir wieder einen Platz zum Verweilen. Einen Platz den man gerne so jeden Morgen sein Eigen nennen wollen würde. Wir hatten das Fischerhaus aus Gothmund (erbaut 18. Jahrhundert / Wiederaufbau 1968) durch den Vordereingang betreten und ahnten noch nicht, wie es uns am Ende verzaubern würde. Die Räume drinnen waren eher dunkel und so traten wir auf der Rückseite neugierig aus der Türe. Ein überdachter Platz mit Ausblick auf den See, eingerahmt von einem Hochbeet. Einfach herrlich.
 |
| Fischerhaus aus Gothmund |
Manchmal möchte man sich aus den schönsten Ideen ein neues Traumhaus bauen.
Vom eher einfachen / kargen Fischerhaus nun zum prächtigen Hallenhaus aus Herzhorn (erbaut 1697 / Wiederaufbau1964). Man sieht diesem Haus schon von außen den Reichtum an und ich habe hier zwei Fotos aus der "Kistenkammer" mitgebracht. Auch der zweistöckige Bau ist auffallend großzügig und vermutlich befanden sich oben auch reich verzierte Räume, die man leider nicht besichtigen kann.
 |
| Kistenkammer Haus aus Herzhorn |
 |
| Kistenkammer Haus aus Herzhorn |
 |
| Außenansicht Haus Herzhorn mit der Brauttür |
Ihr seht also wir haben allerhand Eindrücke gesammelt und sind um einige schöne Bilder und Ideen reicher. Dieses Museum ist wirklich wundervoll für einen großen Ausflug und für jemanden der gerne Atmosphäre wirken lässt und lieber den lauten Trubel scheut. Ich werde jedenfalls noch öfter diesen wundervollen Ort besuchen und schauen wie sich das Museum weiter entwickelt.
Es gibt unter anderem in einzelnen Häusern Dokumentationen zum Thema Flüchtlingswesen, Armenhäuse, Leben auf einer Hallig, Geschichte des Mühlenwesens u. a.
Die Informationen zu den Fotos habe ich dem Museumsführer Schleswig- Holsteinisches Freilichtmuseum von Hermann Heidrich entnommen.
Was für ein reicher Ausflug in die Vergangenheit - danke fürs virtuelle Mitnehmen
AntwortenLöschenAyka
Das war wirklich toll ... denn der Besuch dort steht bei uns auch noch auf dem Wunschzettel ... zumal ich gelesen habe, dass auch Hunde dort mitdürfen. Jetzt habe ich einen tollen Eindruck bekommen und freue mich umso mehr darauf.
AntwortenLöschenAber ich werde auch richtig gute Wanderschuhe anziehen ... und hoffen, dass ich keinen Muskelkater bekomme - danke für den Hinweis ;)
Liebe Grüße,
Isabella mit Cara und Shadow