Aaron, mittlerweile 15 Jahre 4 Monate und 22 Tage alt, wird im Alter immer putziger. Anders kann man es einfach nicht ausdrücken. Seine Eigenheiten werden immer spezieller, er zieht sich öfter zurück, um dann aber plötzlich wieder putzmunter und frech schauen in der Tür zu stehen.
Ich schiebe es schon ein wenig auf eine Altersentwicklung im Kopf und das er ganz klar weiß, dass er voll verwöhnt wird. Da nimmt man sich als Senior gerne noch ein zwei Besonderheiten mehr raus. Er weiß meistens genau was er will und das er es doch irgendwie bekommt. Obwohl ich manchmal echt ratlos bin, wenn er zum 3. oder 4. Mal fordernd in der Wohnzimmertür steht und man sich dann schon fragt, was er nach Fressen, Tablette, Spaziergang, Gartengang und Haferschleim noch haben will.
Vielleicht will er einen auch nur die ganze Zeit zeigen: "Hallo hier bin ich. Ich hab dich immer noch im Blick. Kontrolle schadet ja nicht und vielleicht kommt ja noch ein Leckerchen dabei rum."
Das immer wieder kehrende Senior-Bärchen schaut dann so aus der Wäsche:
Ihr glaubt nicht wie einen dieser Blick, wenn man plötzlich vom Sofa aus zur Tür schaut, immer zum Lachen bringt. Es ist gefühlt, als wenn er da an dieser Stelle plötzlich so aufpoppt. Wenn man erst nicht reagiert, kommt er noch einen Schritt näher, der Blick bleibt aber der Gleiche.
Auch wenn ich grad von zu Hause aus arbeite, gibt es ab 13 Uhr so ein ähnliches Phänomen. Da ich dann links von der Wohnzimmertür sitze, sehe ich im Augenwinkel, wie sich eine Hundeschnauze langem in den Blickwinkeln schleicht und dann sich mir zuwendet. Wenn ich es dann ignoriere, weil die Fütterung eher zwischen 14:30 Uhr und 15 Uhr stattfindet, verschwindet die Schnauze um dann 15 Minuten später wieder in Erscheinung zu treten. Wenn man dann den Blick dazu deutet, ist er pure Entrüstung. Denn nach Aarons Meinung füttern die Menschen ja nie zur richtigen Zeit.
Am schlimmsten war es für ihn, als wir Grippe hatten und dementsprechend aus geknockt waren. Da konnte er null verstehen, dass wir hier Rumschniefen und Husten und völlig inaktiv waren. Er war ja schließlich fit. Irgendwann hatte er aber auch mal ein einsehen mit uns und beschloss ein wenig mehr zu Schlafen. Da das Wetter auch meist schlechter war, schaltete er eh einen Gang runter. Aber wehe wir haben einen sonnigen Tag. Dann möchte der alte Herr ständig in den Garten. Grad wieder im Haus, liegt er eine halbe Stunde später schon an der Tür nach draußen. Wir ignorieren ihn oder schicken ihn in sein Bett. Denn durch die regelmäßigen Regenfälle und davor von der Schneeschmelze ist der Boden noch durchnässt und sicherlich keine Ort, wo sich ein alter Hundesenior stundenlang aufhalten sollte.
Man muss dazu aber auch sagen, ist er einmal draußen, kann es auch sein, dass er nach 10 Minuten schon wieder rein will, um dann später wieder raus zu wollen. Es könnte ja plötzlich in den 10 Minuten Frühling geworden sein und ganz viel neues im Garten sein. Vielleicht funktioniert bei Aaron auch das Zeitgefühl nicht mehr oder wir sind in einer Murmeltier-Schleife gefangen. Wer weiß...
Was die Bewegung und die Beschäftigung angeht, sind wir gut davor. Die Librela Pause hatte sich ja als AHA-Effekt herausgestellt, denn er fiel in ein Leistungsloch, was zeigte das die Spritze doch noch Wirkung zeigen kann. Also fingen wir Anfang Februar wieder an und jetzt nach der 2. im März, ist er wieder richtig gut drauf. 20 bis 30 Minuten Unterwasserlaufband, lange Deichspaziergänge (mit seinem Wagen dabei), aber mit überraschend viel Bewegung seinerseits. Sogar die Deichtreppe wurde einmal von ihm erstiegen. Wir werden aber unsere Kondition lieber an den schrägen Auffahrten langsam trainieren, als uns noch mal schnaufend die Treppe hoch zu arbeiten.

Aber Aaron hat die Seeluft, den einen oder anderen Krebspanzer als Snack und den weichen Deich unter den Pfoten genossen. Wobei er auch öfter auf dem geteerten Weg lief. Überrascht hatte er mich mit einem kleinen Spurt den Deich hoch. Ist ja nicht so, dass er vorher schon einiges gelaufen war... Vom Auto zum Deich, die Rampe hatte ich ihn im Wagen hoch geschoben, runter zum Wasser lief er freudig schnüffelt und ganz gemütlich. Dann ein Stück am Wasser lang... Den Rückweg auch immer noch auf den eigenen Pfoten, dann plötzlich freudig den Deich hoch und auch noch die Rampe runter. Ich war echt positiv überrascht. Aber es macht auch viel aus, wenn wir einen Weg haben, auf dem keine Steine rumliegen. Manchmal reicht ein Kiesel aus, auf den er Tritt, dass er dann humpelt. Bei unseren Deich-Touren hatten wir immer Glück. Seine Pfoten waren mehr oder weniger entspannt und dank seines Wagens, weiß er ja auch, dass er eh immer heil nach Hause kommt. Ich sorge schon dafür. Das ist eine Sicherheit für ihn und für mich, die dazu beiträgt, dass wir entspannt laufen.

In der Hundeschule waren wir total begeistert von der letzten Idee beim Schnüffeln. Metalldosen mit Magneten an einer Wand und die Hunde mussten, die Dosen mit ihren Leckerchen finden. Es war total spannend erstmal die Hunde vom Boden auf die Wand umzulenken und dann zu sehen, ab wann es quasi klick in den Hundeköpfen machte. Und bei uns Menschen ;-) denn wir mussten ja lesen können, welche Dose der Hund anzeigt.

Abends ist man dann recht müde. Wobei aktuell habe ich eher das Gefühl, dass ich müder als mein Hund bin. Aber der kann ja auch jeder Zeit eine Runde schlafen, würde bei mir komisch aussehen, wenn ich im Büro ein Nickerchen machen würde. Was das Abendprogramm angeht, hat sich bei Aaron euch eine neue Eigenheit eingeschlichen. Er möchte zwar abends noch mal gekuschelt, gebürstet oder mit Wärme behandelt werden, er bleibt aber nicht mehr lange liegen, sondern steht dann recht zeitig wieder auf und verschwindet in sein Bett. Da ist aber kein Hecheln oder anderes Zeichen von Unwohlsein. Aber er geht nun einfach, wenn er genug hat. Er ist kein großer Kontaktlieger mehr und kommt lieber immer mal in kleinen Abständen vorbei.
Ansonsten gibt es auch mal das Indoor-Schnüffel-Programm mit Teppich oder Fusselball:
Wir haben uns außer in der Hundeschule auch mal mit seinen Hundefreunden Fred und Ozzy zum Spaziergang getroffen. Das braucht Aaron auch unbedingt weiterhin. Andere Hunde bzw. Freunde und andere Menschen dazu. Da taut er richtig auf und wirkt dann immer verjüngt, weil er es so genießt. Mir tun unsere Freundschaften auch sehr gut. Weil man sich entspannt austauschen kann und auch Probleme dann nicht mehr so groß erscheinen. Man teilt einfach seine Erfahrungen und weiß, dass unsere Hunde es wirklich gut haben. Mit diesem Wort zum Sonntag, starten wir dann in eine neue Woche, voller Abenteuer :-)
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